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Die Berufshaftpflichtversicherung – ein absolutes Muss?

Die Berufshaftpflichtversicherung – ein absolutes Muss?

Die Berufshaftpflichtversicherung - ein absolutes Muss? 16

Was für Beamte die Dienst- bzw. Amtshaftpflichtversicherung ist, stellt für normale Arbeitnehmer und Angehörige der freien Berufe die Berufshaftpflichtversicherung dar. Ziel ist bei beiden Policen die Absicherung gegen Schadenersatzforderungen, die auf Situationen im Zuge der beruflichen Ausübung zurückzuführen sind.

Wer muss sich verpflichtend versichern?

Während eine Berufshaftpflichtversicherung für manche eine freiwillige Option ist, müssen andere Berufsgruppen diese Absicherung obligatorisch vorweisen, um überhaupt tätig werden zu dürfen. Dazu zählen diejenigen Tätigkeiten, die ein erhöhtes Risiko aufweisen, durch eine fehlerhafte Beratung größere Vermögensschäden anzurichten. Zu dieser Gattung gehören neben Rechtsanwälten und Rechtsbeiständen auch Architekten und Ingenieure, Steuerberater, Treuhänder, Ärzte, Hebammen sowie Dolmetscher oder Übersetzer. Für die Ausübung dieser Berufe ist zwingend der Abschluss einer dementsprechenden Versicherung vorgeschrieben, um gegen etwaige verursachte Schäden gewappnet zu sein.

Was muss die Berufshaftpflichtversicherung bieten?

Der Gesetzgeber schreibt gewisse Mindestanforderungen vor, die private Versicherungsgesellschaften zu erfüllen haben. Erst wenn die Versicherer folgende Bedingungen erfüllen, gilt der Versicherungsschutz als ausreichende Voraussetzung für die Zulassung:

  • Die Versicherung muss Vermögensschäden gemäß § 278 oder § 831 des Bürgerlichen Gesetzbuchs begleichen
  • Selbst bei Nachweis einer Pflichtverletzung muss der Versicherungsschutz gewahrt sein (die Haftung kann allerdings dann ausgeschlossen werden, wenn eine vorsätzliche Pflichtverletzung vorliegt)
  • Als Versicherungssumme müssen mindestens 250.000 Euro festgeschrieben sein

Was ist der Unterschied zwischen einer Berufshaftplicht- und einer Betriebshaftpflichtversicherung?

Anders als die Berufshaftpflichtversicherung ist eine Betriebshaftpflichtversicherung nur für den Schutz eines Betriebes sinnvoll. Dadurch sind Unternehmen gegen Vermögensschäden, welche aufgrund von Personen- oder Sachschäden verursacht wurden, abgedeckt. Ferner sind auch Schäden, welche durch das alleinige Verschulden eines einzelnen Angestellten entstehen, assekuriert.

In der Praxis werden beide Begrifflichkeiten nicht selten vermischt: Im Gegensatz zu einem großen Betrieb bezeichnen selbstständige Solo-Handwerker eine Absicherung ihrer Arbeit umgangssprachlich häufig als Berufshaftpflichtversicherung. Teilweise trennen die Versicherungsgesellschaften selbst nicht scharf zwischen den beiden Bezeichnungen. So wird eine Betriebshaftpflichtversicherung in den Versicherungsbedingungen oftmals als Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherung beschrieben.

Wer sollte sich freiwillig versichern?

Auch Mitglieder von Berufsgruppen, die keine Versicherungspflicht als Auflage vom Gesetzgeber vorgeschrieben bekommen, sollten über den Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung nachdenken. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft GDV sieht für jeden, der bei der Arbeit andere stark schädigen kann, eine entsprechende Versicherung als unerlässlich an.

Wenn ein selbstständiger Handwerker beispielsweise ein Dach fehlerhaft eindeckt und deshalb Wasser in einen Neubau eindringt, entsteht ein enormer Schaden. Dieser kann bis zum finanziellen Ruin führen.

Wie hoch sollte die Versicherungssumme liegen?

Die Risiken, mit denen man im Beruf konfrontiert ist, sollten die Höhe der Versicherungssumme bestimmen. Ein Fliesenleger etwa kann aus diesem Grund ohne schlechtes Gewissen eine niedrigere Deckungssumme auswählen als ein Installateur, der selbstständig auf Großbaustellen ganze Leitungssysteme verlegt.

Um sich gegen Schäden, welche die Deckungssumme der Versicherung übersteigen, abzusichern, sollte man vertraglich mit dem Kunden eine Haftungsbegrenzung festlegen.

Kann im konkreten Fall ein Schaden von 3 Millionen Euro eintreten, sichert man dem Kunden beispielsweise zu, für bis zu zwei Millionen Euro zu haften. Für die restliche Summe ist man dann nicht mehr haftbar.

Wie teuer sollte eine Berufshaftpflichtversicherung sein?

Grundsätzlich kann man zwischen individuell maßgeschneiderten Policen und Rahmenverträgen, die einzelne Berufsverbände direkt mit den Versicherern verhandelt haben, unterscheiden. Die Rahmenverträge sind dabei in der Regel deutlich preiswerter bei zugleich ausreichendem Versicherungsschutz.

Oberstes Entscheidungskriterium sollte aber sein, dass die gewählte Versicherung die Risiken der eigenen Arbeit umfassend absichert. Daher sollte man die Details der Vertragsbedingungen genau prüfen und insbesondere auf Leistungsausschlüsse achten.